Historie

 

2.1. Historie

Niemand kann besser die Startphase des FidoNet erklären, als der Begründer selbst. Deshalb habe ich mich entschieden eine recht freie Übersetzung eines englischen Textes von Wie es mit Fido anfing:

Als FidoNet das erste Mal getestet wurde, gab es zwei Nodes: Mich selbst, hier auf Fido #1 in San Francisco, und John Madill auf Fido #2 in Baltimore. John und ich entwickelten und testeten es. Der Zweck: zu sehen, ob so was möglich ist, hauptsächlich aus Spaß an der Freude, etwa wie Amateurfunk.

Es wurde schnell nützlich; anstatt ständig zu versuchen, die Box des Anderen anzurufen und Nachrichten zu hinterlassen, oder teuere Voice-Telefonate zu führen, wurden Fido-Msgs mehr oder weniger zur Regel.

Das war Fido Version 7, irgendwann, etwa Juni 84 oder so; es hatte weder Routing, File-Attach, Retry Control, Error Handling, Kostenberechnung, Logfiles, noch irgendwelche der anderen hübschen Features, die seitdem hinzu kamen. Ein Paket wurde erstellt, ein Anruf wurde gemacht, das Paket übertragen, das war's. Das war auch ausreichend für einen Monat oder zwei, solange es weniger als 20 Nodes gab.

Im August 84 wurden es bereits 30 Nodes; das Netz verstopfte, ob Du's glaubst oder nicht. FidoNet war nicht gerade intelligent, was die ausgehenden Anrufe betraf. Mit 30 Systemen wurde die Koordination schwierig; anstatt eines einfachen Anrufs bei den Sysops, der früher genügte, um Probleme wie falsche Telefonnummern, Hardwareschwierigkeiten, usw. zu lösen, dauerte es mittlerweile Tage, bis das kleinste Problemchen gelöst war. Mittlerweile waren es 6 Nodes in New Orleans, und Fido #1 machte je einen Anruf bei jedem dieser Nodes, wo doch offensichtlich einer ausgereicht hätte. Damit begann das Zeitalter des Routings.

Das »Original« FidoNet war sehr einfach und freundlich; Du erzähltest mir auf Fido #1 daß Du einen Fidonode fertig hattest, ich setzte Dich mit Deiner Telefonnummer in die Liste, die Leute riefen an und holten die Liste. Fertig!

Nun ... anfangs kannte jeder jeden, wir waren mehr oder weniger ständig in Kontakt zueinander. Obwohl, als die Nodenummern in die Zwanziger gingen, kamen auf einmal Leute mit einem Fidonode daher, die keiner von uns kannte. Das war gut so, bedeutete aber andererseits auch, daß der Kontakt zueinander nicht mehr so eng sein konnte wie früher.

Das Netz fing an, schlechter zu funktionieren; jede Woche gab es mindestens eine falsche Nummer, meist waren es zwei. Um die Bedeutung einer falschen Nummer in der Nodeliste zu verdeutlichen: stell Dir vor, Du bist eine alte Dame, die jede Nacht alle 2 Minuten ab 4 Uhr morgens Anrufe bekommt. Es meldet sich niemand und dann wird aufgelegt. Das passierte tatsächlich; wenn Mail eine oder zwei Wochen lang nicht raus ging, nahm ich nach dem Wählen den Hörer ab und war in der peinlichen Lage, einer extrem müden und extrem verärgerten Person erklären zu müssen, was eine Mailbox ist.

Es gab auch Fälle, in denen ein neuer Node noch nicht wirklich betriebsbereit war, und die angegebene Telefonnummer war die normale Nummer, die nur zeitweise für Fido genutzt wurde. Aber ich vergaß das und nahm sie trotzdem in die Liste auf. Oder der neue Node war wirklich noch nicht installiert und wir riefen ihn an und er antwortete nicht. Oder, noch schlimmer, das Modem antwortete, aber die Software lief nicht und wir mußten die Anrufe natürlich bezahlen.

So konnte es also nicht weitergehen. Wir mußten irgendwie sicherstellen, daß zumindest die Telefonnummer stimmte. Ich begann eine neue Politik: Bevor eine neue Nodenummer vergeben und in die Liste aufgenommen wurde, mußte ich eine FidoNet Message direkt von dem neuen Node erhalten haben. Das stellte sicher, daß der neue Node zumindest halbwegs lief. Damals hatte Fido eine Funktion womit die Nodenummer remote von Fido #1 aus eingestellt werden konnte. Ich sandte eine Nachricht zurück und schwupp! ein neuer Node war da.

Nun, auch das funktionierte nicht richtig. Zur selben Zeit änderte sich die Fido-Software so schnell, das ich durch die vorzunehmenden Anpassungen neue Nodeanträge verlor, durch unleserliche Handschrift falsche Nodenummern vergab, ... einfach alle möglichen Probleme tauchten auf. Aus Faulheit vergab ich wieder Nodenummern auf mündliche Anforderung hin und geriet in den selben Schlamassel wie vorher.

Die Leute in St. Louis (Tony Clark, Ben Baker, Ken Kaplan, John Wichman, Mike Mellinger) boten sich an, die Verwaltung der Nodeliste zu übernehmen und neue Nodeanträge zu bearbeiten, damit ich mich der Software widmen konnte. Sie führten die Notwendigkeit einer direkten Message wieder ein und zogen es konsequent durch. Innerhalb einiger Monate hatten sie die Fehlerrate (falsche Nummern etc.) praktisch auf Null, wo sie auch heute noch ist.

Obwohl ich das programmieren erledigte, kümmerten sich Ken Kaplan, Ben Baker und die Jungs in St. Louis auch um das Design und testeten das Routen, Weiterleiten und lokale Netze. Sie sind immer noch die Experten für das Routing und helfen Sysops, lokale Netze einzurichten.

Vergiß bitte nicht, es dauerte nur 3 Monate, bis die Anzahl der Nodes von 2 auf über 50 gestiegen war! 50 Nodes ist mehr als es sich anhört. FidoNet wuchs weiter von 50 Nodes ungefähr im September 84 auf über 160 Nodes im Januar/Februar 85.

Heute ist FidoNet ein Netz, das sich sehr schnell der Komplexität von kommerziellen Netzen nähert. Und hat mehr Möglichkeiten als manches »Mininetz«, wie etwa USENET, das weder Routing noch Hosts kennt. Lediglich ARPAnet hat einige der Features die Fido hat. Das Southern California Network ist 3 Ebenen tief, mit Hosts in Orange, LA, Ventura, San Berdino und San Diego.

FidoNet ist heute schon zu groß, um es als informellen Club laufen zu lassen. Die Fehlermöglichkeiten sind zu groß um Nummern wahllos in die Nodelist aufnehmen zu können. Ich denke, wir sind heute in der Lage, in der die Amateurfunker vor ein paar Jahren waren.

Heut sind in dem FidoNet wesentlich mehr Nodes und Points (03.02.98):

B02

Das Fido-Netz ist das größte, privat betreutes Computer-Netz der Welt. Das sind 55771 Mailboxen mit ca. 3 bis 4 Millionen Usern, weltweit!

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© Harald Meyer          Aktualisiert am: 12.05.98